Karriereherbst in Japan: Diese Fußballer zog es nach Fernost

Karriereherbst in Japan: Diese Fußballer zog es nach Fernost

In den vergangenen Jahren ist es Mode geworden, dass berühmte Fußballer ihre Karriere in den USA, in Katar oder in China ausklingen lassen. Japan ist nicht mehr der häufigste Anlaufpunkt, um noch ein bisschen zu kicken und etwas für das Bankkonto zu tun. Dabei sorgte Pierre Littbarski 1993 mit seinem Wechsel vom FC Köln zu JEF United Chiba für eine faustdicke Überraschung. Doch der Spaßvogel aus Berlin ist längst nicht der einzige Weltmeister, dem es im Land der aufgehenden Sonne gefiel.

Europa hat die stärksten Clubs der Welt hervorgebracht. Die Profis haben hier die Möglichkeit, auf höchstem Niveau Fußball zu spielen und werden bis ins kleinste Detail gefördert und beraten, etwa bei Ernährung oder Fitness. Klar ist auch, dass die Spieler mit ihrem Job sehr viel Geld verdienen.

Rückt das Karriereende näher, entscheiden sich viele Profis dafür, ihre Karriere außerhalb von Europa zu beenden und mit ihren Familien für einige Jahre in einem anderen Land zu leben. Für Normalsterbliche geht das nicht so einfach, Fußballer hingegen genießen hier Privilegien und nutzen diese Chance. Der Wechsel ins Ausland hat viele Gründe: Interesse an fremde Kulturen, neue Herausforderungen oder einfach mehr Gehalt. Oftmals winken lukrative Verträge. Mittlerweile haben sich bereits einige ü-30er Großkaliber für Japan entschieden. Im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern wird Fußball dort immer beliebter.   

Lieber Japan als lebenslang Barcelona

Andres Iniesta, der Weltmeister von 2010, wechselte 2018 vom FC Barcelona zu Vissel Kobe. Er hatte just nach zehn Jahren einen unbefristeten Vertrag bei Barcelona unterschrieben – und das als Fußballer. Er hätte demnach in seinem Leben für keinen anderen Klub mehr spielen und nach der aktiven Karriere eine andere Position bei den Basken übernehmen sollen. Umso überraschender kam seine Entscheidung für einen Wechsel in Japans J1.

Demnach verdient der Spanier bei Vissel unglaubliche 25 Millionen Euro im Jahr. Ein solches Gehalt für einen Fußballer sprengt in Japan jede Verhältnismäßigkeit. Trotz der Beliebtheit im Land sind die Umsätze noch weit entfernt von den europäischen Spitzenclubs. Der Jahresumsatz des Vereins lag 2016 bei rund 32 Millionen Euro, mit einem Nettogewinn von lediglich 250.000 Euro. Doch dank der Sponsoren konnte man sich Iniesta offenbar leisten. Der japanische e-Commerce-Gigant Rakuten ist zufällig seit 2017 Sponsor vom FC Barcelona.


Der Vertrag ist auf drei Jahre ausgelegt. In Japans höchster Spielklasse ist Iniesta der mit Abstand größte Star und verhalf dem Team bereits zu zwei Titeln: dem Pokal und dem Supercup. Für einen Meistertitel hat es noch nicht gereicht, sein Team ordnete sich in der vergangenen Saison im Mittelfeld ein.

Spanische Weltstars unter sich

Iniesta wird immer wieder mit der Rückkehr zum FC Barcelona in Verbindung gebracht. Als Assistenzcoach soll der Edeltechniker dem Team zu neuem Glanz verhelfen. Doch anscheinend fühlt sich der Katalane in Japan wohl und verspürt bislang keinen Drang, das Projekt Japan abzubrechen. Der Welt- und Europameister will Kobe nicht vor Vertragsende 2021 verlassen. “Ich will weiterhin Fußball spielen. Ich habe hier einen Vertrag bis 2021 und bin motiviert, weiter zu spielen“, sagte Iniesta gegenüber Mundo Deportivo. Wer würde das bei dem Gehalt nicht auch gern tun?

Lukas Podolski spielte bis Januar 2020 gemeinsam mit Andres Iniesta bei Vissel Kobe. Doch obwohl einige auch hier mit dem Karriere-Zielgeraden rechneten, hatte „Poldi“ andere Pläne. Der Kölner unterschrieb beim türkischen Erstligisten Antalyaspor. Zum Vergleich: Podolski verdient „lediglich“ 5 Millionen Euro pro Jahr.

Im Aufgebot von Vissel Kobe war auch Stürmer David Villa. Der Rekordtorschütze der spanischen Nationalmannschaft beendete jüngst seine Karriere. Und noch eine spanische Legende ist hier aufzuzählen: Fernando Torres verabschiedete sich mit einer 1:6 Niederlage von der großen Fußballbühne. Gegner seines Teams Sagan Tosu war Vissel Kobe – mit seinem langjährigen Weggefährten Andres Iniesta.

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