Top 5: Schwalben in der Bundesliga

Münchens Arjen Robben stürzt bei einem vermeintlichen Foul, hinter ihm Wendell von Bayer Leverkusen

Vorgetäuschte Fouls, wegen des Fluges der Übeltäter auch Schwalben genannt, bringen Fans und Gegenspieler regelmäßig auf die Palme – zuletzt bei der EURO 2020 aber oft genug auch in der Bundesliga. Wir erinnern uns an fünf legendäre Schwalben.

„Das müsste eine Sperre geben“ war in vielen Kommentaren über Ciro Immobile zu lesen. Der italienische Stürmer war im Spiel gegen Belgien im Strafraum zu Boden gegangen und schien durch den Zweikampf mit seinem Gegenspieler übel verletzt. Sekunden später hatten seine Kollegen doch ein Tor erzielt und Immobilie – wie durch ein Wunder geheilt – jubelte fröhlich mit seiner Mannschaft.

Sperren und andere unerfreuliche Konsequenzen gab es für Elfmeterschinder und andere Schwalbenkönige in der Bundesliga durchaus schon. Andere kamen gut aus der Nummer heraus. Hier unsere Top 5 – Schwalben in der Bundesliga.

Platz 5 Norbert Meier, MSV Duisburg

Der erste in unserem Ranking ist kein Spieler, sondern ein Trainer. Norbert Meiers Karriere als Coach erlitt im Dezember 2005 einen heftigen Knick. Im Bundesligaspiel gegen den FC Köln ließ sich der an der Seitenlinie stehende Meier auf ein Wortgefecht mit Albert Streit ein. Die beiden standen Stirn an Stirn und in einem Impuls versetzte Meier dem Kölner einen Kopfstoß – und ließ sich dann selbst theatralisch hinfallen. Der Schiedsrichter hatte keine Zeitlupe und stellte Streit vom Platz. Doch der hatte etwas dagegen und verhängte ein vorübergehendes Berufsverbot gegen Meier. Der Coach wurde in Duisburg entlassen und fand erst zwei Jahre später wieder eine Anstellung in Düsseldorf.

Platz 4: Bruno Labbadia, FC Kaiserslautern

In der Regel führt eine Schwalbe ja – im für den Verursacher günstigsten Fall – zu einem Elfmeter und damit zu einem recht „unschönen“ Tor. Bruno Labbadia jedoch erzielte 1991 im Spiel gegen Bayer Leverkusen ein Tor des Monats nach einer doppelten Schwalbe. Gleich zweimal spürte er den Kontakt und in Hoffnung auf einen Pfiff auch die Erdanziehungskraft. Als des Schiedsrichters Pfeife jedoch stumm blieb, stand der gebürtige Darmstädter eben auf und knallte den Ball sehenswert ins Tor. Dem ARD-Publikum gefiel das ganze offenbar.

Platz 3: Arjen Robben, Bayern München

„Ich habe keinen Bock auf Schwalben“, will Neven Subotic seinem Gegenspieler Arjen Robben nach dessen verschossenen Elfmeter im Bundesliga-Spitzenspiel aus nächster Nähe ins Gesicht gebrüllt haben. Lippenleser identifizierten hingegen viel eher das böse „B“-Wort. Als der BVB den Bayern 2012 letztmals eine Meisterschaft entreißen konnte, trat der Rekord-Champion wenige Spieltage vor Schluss im Signal-Iduna-Park zum direkten Duell an. Robben, dessen Karriere ebenso von strittigen Strafraumsituationen geprägt war, wie von atemberaubenden Sprints und schönen Toren, schmiss sich in einer entlegenen Ecke des Strafraums geradezu in die Hände von Dortmund-Keeper Weidenfeller hinein, um dem Schiedsrichter einen Pfiff zu entlocken. Doch er scheiterte vom Punkt. Nach dem 1:0-Sieg des BVB war die Dortmunder Meisterschaft so gut wie entschieden und Weidenfeller schien im Interview zufrieden mit sich und der Welt. Für Robbens Aktion hatte er die klare Bewertung sofort parat: „Er will nur den Elfmeter. Klarer Fall“.

Platz 2: Timo Werner, RB Leipzig

Die Ressentiments gegen das Leipziger RB-Franchise, der gesammelte Volkszorn des Schalker Anhangs, die Profilierungssucht eines Ballermann-Sängers: Es kamen einige Faktoren zusammen, um Timo Werner auf Jahre zur Persona non grata in deutschen Fußballstadien zu machen. Dabei war der frühe Hechtsprung im Auswärtsspiel gegen Schalke 04 eigentlich eine Allerweltsschwalbe. Nicht besser und nicht schlechter als tausende andere auch.

Platz 1: Andreas Möller, Borussia Dortmund

Die Mutter aller Schwalben: Andreas Möller war der erste Spieler, der für seinen Sturzflug nachträglich gesperrt wurde. Am 13.04.1995 ging der feinfüßige Offensivmann von Borussia Dortmund dem Zweikampf mit seinem als Raubein verschrienem Gegenspieler Dirk Schuster vom Karlsruher SC lieber aus dem Weg. „Es war eine Schutzschwalbe“, erklärte Möller anschließend aufrichtig. Berühmt wurde die Aktion, weil Möller das ganze zugab – und weil der Fall wirklich sehr eindeutig war. Das fand auch das Opfer Dirk Schuster: „Zwischen uns hätte ein Kleinwagen gepasst“, zürnte der Verteidiger.

Foto: AFP

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