Vor zehn Jahren: Als Deutschland gegen Spanien chancenlos war

Vor zehn Jahren: Als Deutschland gegen Spanien chancenlos war

Heute Abend spielt Deutschland in Spanien. Da werden Erinnerungen wach. Erinnerungen an bittere Endrunden-Niederlagen, in denen eine eigentlich gut aufgelegte DFB-Truppe der spanischen Jahrhundertelf scheinbar nichts entgegenzusetzen hatte. Wie war das damals?

In einem früheren Artikel hat sich ein Redakteur von kicker-freunde.de an jene goldene spanische Generation erinnert, die zwischen 2008 und 2012 drei große Turniere hintereinander gewann, was zuvor noch keiner Auswahl gelungen war. Zweimal wurde auch Deutschland auf dem Weg zum Titel von der unerbittlichen spanischen Walze plattgemacht.

Vor dem EM-Halbfinale zwischen Russland und Spanien 2008 war in einer Universitätsstadt ein Gespräch zwischen Studenten zu belauschen, die genervt waren vom ganzen „Schland“-Hype, der sich seit der Heim-WM zwei Jahre zuvor aufgebaut hatte. „Lieber Russland als Spanien“, so der allgemeine Tenor der angehenden Akademiker. „Das wäre wohl der einzige Weg, einen Deutschland-Sieg zu verhindern.“

Der Gedanke dahinter: Russland hatte unter dem Trainerfuchs Guus Hiddink nicht nur die starken Holländer ausgeschaltet, sondern war einfach auch eine unbekannte Größe, die vorher niemand auf der Rechnung hatte. Spanien hingegen: „Klar, gute Techniker und so. Aber den Titel holen die doch in der Regel nicht.“ Was folgte, war jedoch eine Demonstration. Die starken Spanier nahmen Russland nach allen Regeln der Kunst auseinander. Durch das unfassbare Kombinationsspiel kamen die gefährlichen russischen Offensiv-Leute überhaupt nicht zur Geltung. Die Iberer spielten sich die Bälle nach Herzenslaune zu, jeder Ballführende hatte mehrere Optionen und irgendwann kam ein beliebiger Spieler im Strafraum in Torschuss-Position.

Der Endstand lautete 3:0 für Spanien und dass sich im Finale wieder mal Deutschland durchsetzen würde, schien plötzlich sehr unwahrscheinlich. Die Nationalmannschaft, die Joachim Löw von Klinsmann übernommen und Stück für Stück optimiert hatte, war holprig in das Turnier in Österreich und der Schweiz gestartet, dann jedoch immer besser in Tritt gekommen und schien wieder mal ihrem Ruf als „Turniermannschaft“ gerecht werden zu können.

Finale gegen Deutschland: Wie ein Trainingsspiel gegen die B-Jugend

Doch was sich dann im Wiener Ernst-Happel-Stadion bot, mutete an, als würde eine Herren-Auswahl ein Trainingsspiel gegen die B-Jugend des eigenen Vereins bestreiten. Das Bemühen konnte man den Deutschen nicht absprechen, doch das spanische Team war jederzeit Herr der Lage und in puncto Spielanlage weit voraus. Das einzige Tor fiel noch vor der Pause eher zufällig, als Philipp Lahm und Jens Lehmann uneins waren, wer zum Ball gehen sollte und Fernando Torres dies zu einem frechen Heber über den deutschen Torwart nutzte. Doch die Spanier hätten noch viele weitere Tore schießen können und teilweise wirkte es, als wollten sie es mit Absicht nicht so langweilig gestalten. Die Mittelfeld-Riege um Xavi, Andrés Iniesta, David Silva und Cesc Fàbregas dominierte das Spiel nach Belieben.

Zwei Jahre später schienen die Karten beim WM-Halbfinale in Südafrika komplett neu gemischt. Diesmal hatte die deutsche Mannschaft in den Vorrunden unglaublich stark gespielt: England war mit 4:1 deklassiert worden, Argentinien um Lionel Messi gar mit 4:0. „Are they just to good for the rest of the world?“, fragte ein englischer Kommentator während des Viertelfinales gegen die Albiceleste.

2010: Deutschland zu gut für den Rest der Welt?

Doch als es im Halbfinale gegen die Spanier ging, schien all das verflogen. War es die traumatische Erinnerung von Wien, die die Knie der Deutschen schlottern ließ? Oder verfügten sie schlicht und einfach nicht über das technische Instrumentarium, um längere Zeit im eigenen Ballbesitz zu bleiben und selbst das Spiel zu prägen? Man habe sich nach zehn Minuten gefragt, warum die Deutschen so defensiv spielten, und dann eben selbst das Kommando übernommen, erzählte Spaniens Abwehr-Kante Carles Puyol später.

So bot sich wieder das gleiche Bild: Spanien dominierte, Deutschland reagierte. Eine Angriffswelle nach der nächsten wogte in Richtung DFB-Strafraum. Deutschlands Sturmspitze Miroslav Klose etwa hing völlig in der Luft, schien am Spiel kaum teilzunehmen. Wieder hätte es eine deutliche Packung für Deutschland setzen können, doch es blieb bei einem Tor. Ausgerechnet Puyol sprang in einen Eckball mit einer Entschlossenheit hinein, die vielleicht die Deutschen hätte inspirieren können, wären sie nicht ohnehin völlig chancenlos gewesen.

Man musste anerkennen: Nicht Deutschland, sondern Spanien war damals zu gut für den Rest der Welt. In dieser spanischen Generation passte alles zusammen. Fantastische Individualkönner hatten sich zu einem nahezu perfekten System zusammengeschlossen. An ihren besseren Tagen war gegen diese spanische Mannschaft einfach kein Kraut gewachsen.

(Foto: AFP)

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