Top 5: Die verrücktesten Torhüter

Top 5: Die verrücktesten Torhüter

„Torhüter und Linksaußen haben eine Macke“, formulierte Max Merkel einst recht plakativ. Der Volksmund drückt es sogar hin und wieder noch derber aus. Verallgemeinerungen sind nie gut, dennoch ist die Fußballgeschichte voll von Torhütern, die auf oder neben dem Platz sonderliches Verhalten an den Tag legen. Wir präsentieren die Top 5: Verrückte Torhüter.

Ist es der besondere Druck, der auf ihnen lastet? Schließlich führt jeder Fehler unmittelbar zu einem Gegentor und ist womöglich spielentscheidend. Oder liegt es an der besonderen Situation, dass es in jeder Mannschaft nur einen geben kann? Was auch immer die Gründe sein mögen: Immer wieder finden sich Torhüter, die gewisse Eigenheiten an den Tag legen. Hier kommen unsere Top 5:

Platz 5: Ricardo

Ricardo Alexandre Martins Soares Pereira war ein guter Torwart. Ob für Sporting Lissabon, Betis Sevilla oder Leicester City – er brachte stets solide Leistungen, ohne jedoch allzu sehr aufzufallen. Wieso steht er also in dieser Liste? Es war eine ganz bestimmte Szene, die ihn von anderen seiner Zunft abhob. Bei der Europameisterschaft 2004 im eigenen Land stand Ricardo im Tor der portugiesischen Nationalmannschaft. Das Viertelfinale gegen England stand Spitz auf Knopf und musste im Elfmeterschießen entschieden werden. Dort entschied Ricardo sich irgendwann, seine Handschuhe auszuziehen. Mit blanken Händen parierte er den Versuch von Darius Vassell. Anschließend verwandelte er selbst den entscheidenden Elfmeter. „Ich habe gespürt, ich muss etwas Besonderes tun“, rief der Held des Tages anschließend begeistert in die Mikrofone.

Bei der EM 2006 kann es erneut zu einem Shootout Portugal gegen England. Diesmal hielt Ricardo gleich drei Elfmeter, nämlich die von Frank Lampard, Steven Gerrard und Jamie Carragher. Das Ausziehen der Handschuhe musste er somit nicht wiederholen.

Platz 3: Oliver Kahn und Jens Lehmann

Im Sinne der Harmonie haben wir entschieden, die beiden langjährigen Rivalen um das deutsche Nationaltor geteilt auf Platz 3 zu küren. Kahn galt als der beste Torwart seiner Generation, brachte es jedoch nur auf eine WM als Nummer 1, da ihm erst Andreas Köpke und dann Jens Lehmann im Weg standen. Der gebürtige Karlsruher war berüchtigt für seinen Ehrgeiz und seinen absoluten Siegeswillen. Verschiedene Scharmützel, unter anderem mit Fans und Spielern aus Dortmund, pflasterten seinen Weg. Hinzu kamen verbale Evergreens wie die Forderung nach „Eiern“.

Sein Konkurrent Jens Lehmann fiel schon früh in seiner Karriere durch seine Eigenwilligkeit auf, als er einst in der Halbzeit ausgewechselt wurde und daraufhin mit der Straßenbahn nach Hause fuhr. Größere Bekanntheit erlangte er durch sein Tor für Schalke, mit dem er kurz vor Schluss den 2:2 Endstand im Derby gegen Dortmund herstellte. Als er seine Karriere nach Stationen in Mailand und London beim VFB Stuttgart ausklingen ließ, wurde er in der öffentlichen Wahrnehmung etwas sonderbar. Unter anderem warf er den Schuh, den ein Hoffenheimer Angreifer verloren hatte, in hohem Bogen hinter sein Tor. Auch auf die Brille eines Zuschauers hatte er es abgesehen, als er sich von diesem nach einem Spiel gestört fühlte. Der arme Mann musste Lehmann minutenlang hinterherlaufen, bis er sein Sichtgerät zurückerhielt. Schließlich fragte ein zerstreut wirkender Lehmann an einem Flughafen einen Journalisten noch nach Geld. Er habe Hunger, so der Torwächter.

Platz 2: José Luis Chilavert

Zwei Dinge liebte der paraguayanische Torwart José Luis Chilavert: Farbenfrohe Trikots und Toreschießen. Ja, ihr habt richtig gelesen. Chilavert erzielte zwischen 1982 und 2005 über 60 Tore für seine verschiedenen Klubs und für die Nationalmannschaft. Immer wieder zog es ihn aus seinem eigenen Strafraum heraus, um seine Berufsgenossen in Schwierigkeiten zu bringen. Eine naheliegende Methode dafür sind natürlich Elfmeter, von denen er so manchen versenkte. Doch Chilavert war auch ein exzellenter Freistoß-Schütze und bekam immer wieder Gelegenheit für einen Schlenzer über die Mauer. Im Achtelfinale der Weltmeisterschaft 2002 versuchte er dies auch gegen Deutschland. Oliver Kahn musste sich strecken, um den Schuss zu parieren.

Platz 1: René Higuita

Auf Platz 1 einer Liste namens „die verrücktesten Torhüter“ muss natürlich jener Spieler stehen, der mit Spitznamen El Loco (der Verrückte) hieß. René Higuita passte bereits optisch mit seiner wallenden Mähne gut in das kolumbianische Nationalteam, das Anfang der 90er Jahre Paradiesvögel wie Carlos Valderrama beherbergte.

Doch nicht nur durch sein Aussehen fiel Higuita auf. Auch er hatte großen Spaß am Fußballspiel. Manchmal etwas zu viel und so führten seine riskanten Ausflüge auch hin und wieder zu Gegentoren. So etwa bei der WM 1990 in Italien, als er bei einem versuchten Dribbling im Achtelfinale gegen Kamerun den Ball an Roger Milla verlor, der dies zum entscheidenden 2:0 nutzte. Doch manchmal wird Risiko auch belohnt. Higuita hat sich mit einer einzigen Szene zur Legende gemacht. 1995 parierte er einen harmlosen Schuss des Gegners, anstatt ihn einfach abzufangen, mit den Hacken. Der „Scorpion-Kick“ ist noch heute legendär.

Higuita war und ist auch außerhalb des Platzes ein schräger Vogel. Seine Verbindung zum kolumbianischen Drogenkartell brachte ihm einst eine Haftstrafe ein. Nach seiner Karriere nahm er an mehreren Reality-TV-Formaten teil. In einem davon wurden mehrere Schönheitsoperationen dokumentiert, denen er sich unterzog.

(Foto: AFP)

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