Lick it like Sancho! Fünf legendäre Freistoß-Schützen

Lick it like Sancho! Fünf legendäre Freistoß-Schützen

Borussia Dortmunds Jadon Sancho hat gegen den FC Brügge einen Freistoß von vollendeter Schönheit in den Winkel geschnibbelt. Das hat uns inspiriert, fünf legendäre Freistoßschützen für euch rauszusuchen. Viel Spaß!

Mario Basler

Mario Basler heutzutage bei seinem Job als TV-Kommentator zuzuhören, ist manchmal anstrengend. Der Mann hat, vorsichtig gesagt, die Sachlichkeit nicht erfunden. Noch deutlich unangenehmer soll sein Bühnenprogramm sein, mit dem er zeitweise durch die Lande tingelte und in dem althergebrachte Geschlechter-Klischees nach Herzenslaune ausgewalzt wurden.

Als Spieler war die Meinung über Basler einhellig: Der Mann war mit Talent gesegnet, doch er machte viel zu wenig daraus. Immer wieder stand sein Mundwerk seiner Karriere im Weg oder der fiel durch Undiszipliniertheiten auf. Zu seinem Glück braucht man keine gute Kondition, um Freistöße zu schießen. Das konnte er nämlich Mitter der 90er-Jahre wie kein Zweiter in der Bundesliga. Ob mit Innenrist, Vollspann oder Außenrist – gefährlich war es immer, wenn Basler antrat. Dank des extremen Dralls, dem er dem Ball zu verleihen vermochte, kam es sogar vor, dass er einen Eckball direkt ins Tor zirkelte.

Jörg Böhme

Jörg Böhme fiel neben dem Platz nicht so negativ auf wie Basler, doch auch ihm wurde hin und wieder das Prädikat „schlampiges Genie“ oder „zwischen Genie und Wahnsinn“ angeheftet. Er war einer diese Spieler, die zu besonderem in der Lage sind. Dies hatte viel damit zu tun, dass sein Verein, der FC Schalke, 2001 bis zur allerletzten Sekunde um die Meisterschaft spielte.

Im mit Sicherheit legendärsten Finale der Bundesliga, jener „Vier Minuten Meisterschaft“ von S04, mussten die Schalker den krassen Außenseiter Unterhaching unbedingt im eigenen Stadion schlagen, um noch an den Bayern vorbei ziehen zu können. Dass es plötzlich 3:1 für den „kleinen“ Münchener Verein stand, hatte niemand erwartet. Böhme war es, der zur Aufholjagd blies. Dafür hatte er sich ein ganz besonderes Kabinettstückchen aufgehoben. Einen Freistoß spielte er frech unter der hochspringenden Mauer hindurch und überraschte damit auch den Torwart.

Mit einem weiteren fantastischen Tor leitete Böhme die Wende ein und Schalke gewann noch 5:3. Dass der FC Bayern am Ende trotzdem triumphierte, steht auf einem anderen Blatt.

Diego

Und gleich noch ein ehemaliger Spieler von Werder Bremen! Diego – nicht zu verwechseln mit dem jüngst verstorbenen Maradona – gehörte Anfang des Jahrtausends zum Aufregendsten, was die Bundesliga zu bieten hatte. Der quirlige Brasilianer schäumte über vor Spielwitz und produzierte so einige Highlights. Wie viele 10er war er auch ein besonders guter Freistoß-Schütze.

Eine besonders schöne Szene gab es während eines Spiels von Werder Bremen 2009 gegen den VFB Stuttgart. Bei einem Freistoß rollte sich Diego den Ball – vom Schiedsrichter unbemerkt – etwa einen halben Meter weiter nach hinten. Stuttgarts Torwart Jens Lehmann bekam das mit und während der Schiedsrichter noch die VFB-Mauer justierte, stürmte Lehmann wutschnaubend aus seinem Tor. Schiedsrichter Günter Perl war um Schlichtung bemüht und legte den Ball zurück an die Ausgangsposition. Das Schlitzohr Diego jedoch wiederholte seine kleine Korrektur und Lehmann reklamierte wieder. Letztendlich schoss der Brasilianer doch von dem selbst gewählten Punkt aus und zirkelte den Ball, für Lehmann unerreichbar, in den oberen Winkel. Diegos Kommentar, nachdem Werder das Spiel mit 4:0 gewonnen hatte: „Er hätte sich wohl lieber darauf konzentrieren sollen, den Ball zu halten“.

Cristiano Ronaldo

Der Running-Gag besagt ja, dass Cristiano Ronaldo vor jedem Freistoß sein übliches Brimborium abzieht, nur um ihn dann in die Mauer zu hauen oder auf die Tribüne zu jagen. Ball richtig hinlegen, abgezählte Schritte zurück, tief durchatmen, Sheriff-Pose – viel Lärm um nichts. Freilich, oft genug tut der Exzentriker seinen Kritikern den Gefallen und es klappt nicht. Der Gipfel war sicherlich das Gruppenspiel Portugals gegen Deutschland bei der WM 2014. Damals verloren die Portugiesen nicht nur mit 0:4. Zu allem Überfluss schoss Ronaldo einen Freistoß auch noch in die deutsche Mauer, die mit Philipp Lahm aus dem kleinsten deutschen Feldspieler bestand

Jedoch: Erstens muss man erstmal das Selbstbewusstsein haben, dieses Ritual wieder und wieder auszuführen. Zweitens übersehen die Lästermäuler, dass CR7 hin und wieder eben doch per Freistoß trifft. Und hin und wieder sind diese Treffer auf noch extrem schön. Zu seinen vielen Qualitäten zählt auch eine weltweit einzigartige Schusstechnik, die Torhütern keine Chance lässt und durch die er schon so manchen Freistoß aus unwahrscheinlicher Position ins Netz bugsierte.

David Beckham

Viele Klischees ranken sich um den Schönling aus Manchester. Cover-Boy, fuballspielendes Model, Ehemann eines ehemaligen Popstars, überschätzter Gockel. Alles schön und gut, doch wenn der Ball ruhte, war kaum jemand so gut, wie David Beckham. Schon seine Eckbälle und Freistoßflanken kamen mit einem einzigartigen Effet in den Strafraum gerauscht – man frage etwa bei Bayern München nach. Lag der Ball jedoch in Position, um direkt auf das Tor gebracht zu werden, dann lief „Becks“ zu ganz großer Form auf.

Sein wohl legendärster Freistoß-Treffer war ein ganz wichtiger. Als Kapitän zirkelte er die englische Nationalmannschaft im Heimspiel gegen Griechenland direkt zur Weltmeisterschaft 2002. Man schrieb die 93. Spielminute und es war der Ausgleich zum 2:2 – der entscheidende Punkt für die direkte Qualifikation. Große Spieler entscheiden eben wichtige Spiele.

(Foto: AFP)

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